Ausschreibungen

Wir planen jedes Jahr Märchen oder Fantasy Anthologien. Diese setzen sich aus Märchen oder Geschichten der Ausschreibung zusammen.

Die Auswertung der Texte dauert in der Regel einen  Monat, beginnend nach Einsendeschluss.

 

 

Ausschreibung

 

Dieses Jahr suchen wir Märchen, die dem Leser ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.

 

Es dürfen klassische (bevorzugt) oder moderne Märchen sein.

Zielgruppe:  Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 8 J.

 

Die Märchen können von Prinzen und Prinzessinnen, Bauern und Handwerkern, Meerjungfrauen oder Rittern handeln, aber auch von Flora und Fauna, also Tieren und Pflanzen. 

 

Hauptsache: Das Märchen ist lustig!

 

 

 

 

Alle Texte müssen im Print unveröffentlicht sein. Sie sind als WORD-Dokumente einzureichen. Max. bitte 3 Märchen einreichen. Versehen Sie Ihre Manuskripte mit Namen, Anschrift, Telefon und E-Mail-Adresse. 

Die Märchen dürfen auf keinen Fall mehr als 7 Seiten A4 umfassen. Schriftart: Times New Roman, Größe 12, Zeilenabstand 1,5 – linksbündig.

Keine Formatierung!

Keine Zeilennummerierungen!

Ein Honorar ist nicht vorgesehen. Jeder Autor, dessen Märchen in das Märchenbuch aufgenommen wird, bekommt ein Freiexemplar.

 

Einsendungen ausschl. per E-Mail an: sperling-verlag@freenet.de

Einsendeschluss: 30.08.2022.

Erscheinungstermin: voraussichtlich Ende November 2022

 

Der Sperling-Verlag behält sich vor, dass diese Ausschreibung verlängert werden kann, sollten nicht genügend Beiträge eingereicht werden.

 

 

Beispiel eines Märchens

Dumme Agatha

Es lebte einmal vor langer, langer Zeit in einem Dorf ein Bauer mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter, namens Agatha, die als die Dümmste in der ganzen Gegend galt.

Die Bauernfamilie hatte einen großen Bauernhof, auf dem der Vater, die Mutter und die Tochter von Früh bis Abend arbeiteten. Es war eine fleißige Familie, die ein Stück Land und viel Vieh hatte, sodass sie niemals Armut oder Hunger erleiden mussten. Nur Agatha war zu dumm, um ihre Arbeit allein richtig zu verrichten. Wenn du ihr alles ganz genau erklärst, dann machte sie ihre Arbeit gut. Eines Morgens sagte die Mutter: „Agatha, erst füttere die Schweine und  dann sollst du melken!“

Da ging Agatha in den Viehstall und fütterte artig die Schweine, nachdem begann sie die Schweine zu melken. Als die Mutter das sah, wurde sie sehr wütend, doch eigentlich war es ihre Schuld, da Agatha muss man genau sagen, was sie machen soll: „Füttere die Schweine und dann melke die Kühe“.

Einmal schickte ihre Mutter Agatha in den Wald um Beeren zu sammeln.

Die Sonne ging schon runter, aber Agatha war noch nicht zurück. Ihre Mutter machte sich Sorgen und ging in den Wald ihre Tochter zu suchen. Da sah sie Agatha, die auf dem Baumstumpf saß und weinte: „Mutter, du hast mir nicht gesagt, was für Beeren ich sammeln soll. Hier im Wald sind Brombeere und Himbeere! Ich weiß doch nicht welche ich sammeln muss!“

„Aber warum bist du einfach nicht nachhause gekommen?!“

„Wie könnte ich, du hast doch gesagt, dass ich Beeren sammeln soll!“, weinte Agatha und zeigte ihre leer Korb. 

Agatha war nicht schlau, aber sie war der Arbeit nicht scheu. Einer musst ihr nur genau sagen, was sie zu tun muss.

Agatha wuchs zu einer jungen Frau heran, ihren Eltern starben. Nun war sie ganz allein auf dem Hof. Es gab keiner, der ihr sagte, wie sie arbeiten musste. Was sollte sie bloß machen?

Lange weinte Agatha um ihre Eltern und war sehr froh, als ihre Tante zu ihr kam um mit ihr zusammen zu leben – jetzt war Agatha doch nicht allein.

Aber ihre Tante war eine böse und faule Frau, sie ließ Agatha die ganze Arbeit machen und selbst saß nur untätig da. Die Tante kommandierte ihre Nichte herum und Agatha konnte ihr nichts recht machen, sie schuftete vom Morgengrauen bis in die späte Nacht hinein und bekam dafür nur Schimpfe und Prügel.

 Aber Agatha beklagte sich nicht und versuchte ihrer Tante alles recht zu machen. Ungetrübt arbeitete Agatha, sie putzte, kochte und versorgte das Vieh, dabei war sie immer freundlich, sang und lachte.

Wenn sie das Haus kehrte, war es der Tante nicht sauber genug, wenn sie etwas Leckeres kochte, schmeckte es der Tante nicht. Nur wenn sie im Viehstall arbeitete, bekam sie keine Schimpfe, da ihre Tante selbst nie den Viehstall betrat. 

Einmal als ihre Tante Geburtstag hatte, wollte Agatha sie überraschen - eine Torte backen. Sie knetete den Teig in einem Tonfass und ließ es aus Versehen herunter fallen, das Fass zerbrach und Agatha sah geschockt die vielen Scherben auf dem Boden liegen. Die junge Frau kehrte die Scherben auf und fing an zu weinen, da sie Angst vor ihrer Tante hatte.

„Oh je!! Meine Tante wird mich verprügeln, da ich so ungeschickt bin! Was soll ich nur machen?!“, jammerte Agatha. Da sie es nicht besser wusste, beschloss sie sich im Keller zu verstecken und abzuwarten. Die junge Frau kam in den Keller und sah eine Maus, die in einer Falle gefangen war. Die Maus piepste: „Oh Agatha, hab Mitleid mit mir! Befrei mich aus dieser schrecklichen Falle!“

Agatha befreite die Maus und streichelte ihr graues Fell. Die Maus bedankte sich: „Danke, Agatha! Du hast ein gutes Herz! Da du so gut zu mir warst, erfühle ich dir drei Wünsche!“

Da erinnerte sich Agatha, warum sie sich im Keller versteckte und sprach ihren ersten Wunsch: 

„Ich habe das Tonfass kaputt gemacht! Kannst du das wieder ganz machen, als wäre nichts geschehen?“

„Nichts leichter als das!“, lachte die Maus und sagte, „Du kannst aus dem Keller raus gehen, das Fass steht schon am Tisch! Es ist wie neu!“

Voller Freude drehte sich Agatha um und rannte aus dem Keller in die Küche und sah das Fass, das ganz und wie neu da stand. Dann fiel ihr ein, dass sie ja eine Torte für ihre Tante backen wollte, sie rannte die Treppe runter in den Keller zurück.

Die Maus saß noch da und wartete. Noch außer Puste fragte sie: „Kannst du für meine Tante eine Geburtstagstorte backen?“

„Dein Wunsch wird erfüllt!“, sagte nun die Maus und verkroch sich in dem Mauseloch. Agatha rannte wieder in die Küche und sah dort eine große Sahnetorte, die auf dem Tisch stand.

Nach ein paar Stunden kam Agathas Tante, die ein Nachmittags-Schläfchen gemacht hatte, in die Küche.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Tante!“, begrüßte Agatha ihre Tante. Die Tante gähnte und fragte überrascht: „Wo hast du diese wunderschöne Torte her?“

Die junge Frau erzählte ihrer Tante alles was ihr geschehen war. Als die Tante ihre Geschichte zu Ende angehört hatte, lachte sie und fing sofort an, Agatha zu verspotten: „Du bist so dumm, Agatha! Eine Zaubermaus um ein Fass und eine Sahnetorte zu bitten! Du könntest alles bekommen: Gold, einen Palast und einen Prinzen als Bräutigam! Du bist dumm! Mit deinem Hühnergehirn solltest du die Maus um ein wenig Klugheit bitten! Du kannst…“

Agatha hörte ihr nicht weiter zu, denn sie rannte schon die Treppen hinunter in den Keller. Sie rief schnell:

„Maus, Maus! Komm heraus! Ich habe noch einen dritten Wunsch! Mach mich klug!“ 

So machte die Zaubermaus die dumme Agatha klug.

Da Agatha klug wurde, vertrieb sie ihre böse Tante aus ihrem Haus, heiratete einen fleißigen Bauernsohn aus der Nachbarschaft, gebar viele kluge Kinder und zog sie groß.  Maus aber hatte sie nie wieder gesehen: Na ja, sie brauchte den Zauberermaus nicht mehr, da sie wusste sich selbst zu helfen.

So geschah es, das kannst du mir glauben!

 

von Lidia Piechulek, die Lektorin des Sperling-Verlages

Beruf: Journalistin bei den "Nürnberger Nachrichten"